• DGfC Fachtagung in Cloppenburg / Stapelfeld

    Geposted am 2. Mai 2012 von in DGfC

    Sehr persönliche Eindrücke und Statements bezüglich der Fachtagung
    „Ein kleiner goldener Schlüssel – Märchen und Symbole in der Beratung“ vom 10.-11. März 2012 in Cloppenburg/Stapelfeld.

    Es ging schon gut los: am Freitag-Abend vor der Mitgliederversammlung stellte Dr. Heinrich Dickerhoff die Katholische Akademie Stapelfeld und seine Arbeit kurz und anschaulich an Hand einer Klangschale dar. Das machte neugierig auf mehr …
    In den ersten Stunden der Fachtagung war ich hauptsächlich verblüfft –  ich war wohl in ein Seminar eines Befreiungstheologen geraten, dabei dachte ich diese Spezies sei ausgestorben, bzw. (mund)tot gemacht worden.
    Und jetzt stand da vorne einer und erzählte kenntnisreich –  mit viel Raum für Interpretation – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit großer Überzeugungskraft von Armen und Entrechteten, von „Kleinen“ und Benachteiligten (im Märchen), die an die Verheißung ihrer Erlösung im Hier und Jetzt glauben und sich (manchmal stolpernd) auf ihren Weg machen, um sich selbst zu finden, zu verändern oder sich zu entwickeln.
    Meiner Verblüffung machte meiner Begeisterung Platz: „Ja, so erlebe ich auch Coaching-Prozesse!“ „Ja, das hat viel von meinem Verständnis des Christseins in der Welt!“ „Und – ja, Märchen können mit ihren Bildern emotionale Ebenen erschließen!“
    Letzteres war deutlich spürbar an den vielfältigen Reaktionen und Diskussionen der TeilnehmerInnen nach den erzählten Märchen.
    Überhaupt der Austausch untereinander (auch in Zweiergesprächen) mit mir bis dahin z.T. völlig fremden Coach-KollegInnen hat mich überrascht. Da war in kurzer Zeit viel Vertrautheit und Vertrauen. Wir haben grundlegende Werte und Visionen einander mitgeteilt und Bezüge zur Arbeit und Alltag hergestellt.
    Ich habe schon an vielen Seminaren, Fachtagungen und Fortbildungen teilgenommen, aber in dieser Intensität habe ich Gedankenaustausch noch nicht erlebt. Lag das auch am Thema? An dem was Märchen auslösen? An der Erzähl-Kunst der beiden Referenten? Oder lag es auch daran, dass es in der DGfC zwar keine schriftlich fixierten ethischen Richtlinien gibt, aber offenbar pulsieren übereinstimmende Werte und Haltungen in den Coaches selbst – zumindest in denen, mit denen ich im Dialog war!? So oder so – ich habe diese Gespräche genossen.
    Nach diesen intensiven Begegnungen, fachlichen und emotionalen Anstößen hätte ich mir fast die Jubiläumsfeierlichkeiten „verkniffen“. Aber trotz Müdigkeit und „Kopf-bis-oben-hin-voll“ bin ich geblieben – und das war auch gut so. Denn sonst hätte ich die launig-sinnige Geburtstagsrede des „Patenonkels“ zum 10jährigen Geburtstag der DGfC verpasst, sowie die bezaubernden Stunden mit der Gruppe Abracapella, die auf ganz verschiedenen Ebenen (Gesang, Zaubertricks, Humor, Bühnenpräsenz) mit einem beeindruckenden Teamwork uns als Publikum unterhielten. Eine sehr gelungene Art das 10jährige Bestehen unseres Coachingverbandes zu feiern.

    Zu Heinrich Dickerhoff und Conny Sandvoß als Referenten der Fachtagung:

    Heinrich Dickerhoff hat mit seiner Erzähl-Kunst, seiner Fachlichkeit, seiner Authentizität, seiner Menschenliebe und seinem „Prinzip Hoffnung“ bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Wenn ich an ihn denke, habe ich einen leidenschaftlichen Kämpfer mit einem großen Herzen vor Augen.
    Aber da war auch Conny Sandvoß –  eine hübsche, zurückhaltende, fast zerbrechlich wirkende Frau. Die, wenn sie als Erzählerin auftrat durch ihre Stimme, ihr Selbstbewusstsein und ihre Erzähl-Kunst sich in einen wütendenTroll verwandelte oder in ein trauriges Lumpenkind oder einen wagemutigen Ziegenbock oder eine auferstandene Fledermaus.
    Conny berichtete wie das Erzählenlernen von Märchen und ihr Selbtbewusstsein sich gegenseitig verstärkend entwickelt habe – was für mich sehr nachvollziehbar war. Ich habe von dieser jungen Frau und ihrer Arbeit, voller Freude viel gelernt.
    Gut gefallen hat mir auch, dass neben und an einem so starken Mentor (wie Heinrich Dickerhoff) ein jüngerer, noch nicht so erfahrener Mensch (wie Conny Sandvoß) seine eigenen Kompetenzen entfalten kann, will und darf.
    Tja – und die Märchen? Die habe ich schon eingepackt, in meinen Methoden-Koffer. Leider werde ich sie (erst mal) nicht erzählen, sondern vorlesen, – denn dass sie viel stärker über die Ohren wirken, als über die Augen wurde sehr deutlich.
    Ich weiß noch nicht, ob ich sie im Coaching anbieten werde, aber ganz sicher in Fortbildungen:
    als Zugang zu verborgenen Bildern in uns Menschen,
    als Mut-mach-Strategien,
    als Entwicklungs- und Entfaltungsbeispiele.

    Wir haben uns als TagungsteilnehmerInnen zwei Tage lang in einer Zeit bewegt, „wo das Wünschen noch geholfen hat“.
    Mir wurde sehr klar, dass das Wünschen noch immer hilft; denn wenn wir wünschen, dann sind wir unserer Sehnsucht auf der Spur. Und wenn wir unserer Sehnsucht folgen, dann sind wir auf dem Weg zu uns selbst. Und dort finden wir ja bekanntlich die kleinen goldenen Schlüssel zu all den Schatztruhen deren kostbare Inhalte wir noch nicht kennen.

    Fazit:

    Ich bin sehr reich aus Stapelfeld in meinen Alltag zurück gekehrt und ich danke dem Vorstand der DGfC für diese gute Idee einer Fachtagung und deren Umsetzung.

    Friedel Ramser-Plöger, 22. März 2012