• Coaching mit Clown

    Geposted am 17. Juni 2014 von in Coaching, DGfC

    „Blicke über den Zaun“
    DGfC-Fachtagung 2014 an der Akademie Remscheid
    Workshop: Coaching mit Clown

    Dieser Artikel erscheint im Herbst 2014 in der im Internet und im Fachhandel zu beziehenden Fachtagungsbroschüre der DGfC „Blicke über den Zaun“.
    Sobald diese Links vorliegen werde ich diese ergänzen.

    Meine persönliche Vorgeschichte zu diesem Workshop:

    In der Woche vor der Fachtagung fragte mich mein Mann, an welchen der Workshops ich denn teilnehmen werde und ich antwortete: „Ich muss nachschauen, ich habe mich für zwei Workshops angemeldet, aber auf keinen Fall werde ich an dem mit dem Clown teilnehmen.“

    Ich nahm an dem Workshop mit dem Clown teil und – um es vorweg zu nehmen – das war eine richtig gute Entscheidung.
    23 TeilnehmerInnen fanden sich mit Niklas König als Workshopleiter in einem für diese Teilnehmerzahl und die nachfolgenden Aktivitäten angenehmen Raum ein.
    Niklas stellte sich als Clown, Coach, Betriebswirt, Bewegungstherapeut, Musiker und Jongleur vor und ich dachte: „ Nun gut, eine rasante Mischung von der der junge Mann da berichtet, mal schauen was passiert.“

    Was dann geschah waren Spiele (Niklas betonte keine Übungen, sondern Spiele). Es waren „Spiele mit hohem Ernst und tiefen Bedeutungen“ (Friedrich Fröbel), mit gespannter Erwartung und zunehmendem Lustgewinn der TeilnehmerInnen, Teil des jeweiligen Spiels zu sein.

    Spiele die sich mir einprägten:

    Das Spiel: Major und Minor mit Stab

    Mehrere Dyaden fanden sich mit einem gemeinsamen Stab, den sie jeweils mit einem Mittelfinger („Der Mittelfinger ist der Herzfinger beim Clown.“ Zitat Niklas König) hielten und sich so gemeinsam durch den Raum bewegten. Beim Zuschauen entstanden für mich folgende Eindrücke oder Fragen: Wer führt und wer folgt? Es braucht Druck und Gegendruck, um dieses System aufrecht zu erhalten. Führung entsteht nicht nur durch Druck, sondern auch durch Zurückweichen oder neue Bewegungsideen. Wenn das Spiel „in Fluss kam“, wirkte es bei manchen Dyaden wie ein Tanz auf dem Parkett. Es gab Dyaden bei denen sah das Spiel nicht wie das Ringen um Dominanz aus, sondern wie eine lustvolle Komplizenschaft, in der beide die eigenen Möglichkeiten und die des Gegenüber ausprobierten.

    Variation und Anwendung des Spiels:
    Bei mir Zuhause wurde dieses Spiel nachgespielt und festgestellt, dass das Material des Stabes einen großen Unterschied ausmacht. Mit Holzstöcken lässt sich der Mittelfinger gut nutzen, mit meinen glatteren, an den Enden gewölbten Kunststoff-Stöcken ist es sehr viel sinnvoller die Mitte des Handtellers einzusetzen. Auch Körperdrehungen können in der Mitte des Handtellers leichter nachvollzogen werden. Die Benutzung der Mittelfinger in diesem Spiel ist für die Abstimmung innerhalb einer Dyade anspruchsvoller und zeigt auch feinere Bewegungsveränderungen auf. Der Einsatz der Handteller ermöglicht ein leichteres und schnelleres Miteinander.

    Ich werde dieses Spiel demnächst in einem Führungscoaching einsetzen, in dem eine Vorgesetzte und ihre Stellvertreterin ihre gemeinsame Arbeit reflektieren und weiter entwickeln wollen. Und ich bin sehr gespannt auf deren Umsetzung des Spiels und Erkenntnisgewinn.

    Das Spiel des Staunens:

    Wir fokussierten uns auf einen Gegenstand im Raum und taten so, als hätten wir diesen noch nie gesehen, noch nie erfahren. Wir bemühten uns um das Bewusstsein eines Neugeborenen und versuchten uns von der Lehre des Nicht-Wissens erfüllen zu lassen. Es gab wunderbare, skurrile, amüsante und sehr kreative Begegnungen der TeilnehmerInnen z.B. mit Stühlen, Lampen, Telefon oder Zimmerpflanzen.
    In der Auswertung entstanden interessante Analogien zur Coachingarbeit: Als Coach bemühe ich mich, das zu akzeptieren was ist, ohne es zu bewerten. Dies gelingt mir dann, wenn ich im Prozess Abstand zu meinen eigenen Gedanken und Emotionen herstellen kann. Dadurch, dass ich meine eigenen Erfahrungen los lasse, bleibt der Prozess für die Anliegen des Coachees offen. Je vertrauter der betrachtete Gegenstand (im Spiel) oder das Anliegen des Coachees (im Prozess) ist, desto schwieriger wird dieses Vorhaben. Anregend war auch, dass sowohl ich, als auch andere TeilnehmerInnen feststellten, aus dem Spiel (durch gedankliche Bezüge) „raus gekommen“ zu sein, dass es aber durchaus möglich war wieder ins Spiel „rein zu kommen“, nämlich indem wir uns wieder neu der Faszination des Staunens hingaben. Dieses Spiel zeigte eine – aus meiner Sicht – wichtige Coach-Qualität auf: Die unvoreingenommene Aufmerksamkeit für mein Gegenüber. Eine Achtsamkeit die nicht taxiert und beurteilt – die ich mir auch bei wiederholter Methode immer wieder neu ermöglichen kann, denn mit jeder neuen Coaching-Einheit treffe ich als Coach auf neue Menschen oder auf bekannte Menschen mit unerwarteten Entwicklungsschritten, auf frische Erlebnisse und mögliche Erweiterungen „in alle Himmelsrichtungen“. Ich genieße diese Coach-Haltung (die in diesem Spiel so stark verdeutlich wurde und mich bestärkt hat): Jede neue Coaching-Einheit, manchmal auch einzelne Augenblicke in einer einzigen Coaching-Einheit können funkelnagelneu sein => und damit eine zusätzliche, bisher nicht genutzte Bewältigungs-Ressource für den/die Coachee darstellen.

    Das Spiel: Die Gruppe entdeckt ihren inneren und äußeren Raum

    Alle TeilnehmerInnen bewegten sich schweigend durch den Raum, Niklas klatschte, alle blieben stehen. Niklas gab eine neue Anweisung, z.B. nur eine/r geht, Niklas klatschte, neue Anweisung z.B. alle bewegten sich schnell im Raum, Klatschen, neue Anweisung usw. Erwartungsgemäß stellte sich schnell ein Gefühl von Schwarmverhalten ein. Dann geschah zu meiner Belustigung (ich lächele heute noch bei der Erinnerung) eine nicht abgesprochene Systemveränderung: Statt Niklas klatschte Claudia (eine Teilnehmerin) und die Gruppe reagierte zunächst in gewohnter Weise mit verändertem Bewegungsablauf darauf. Bei wiederholtem Klatschen von Claudia kam Lachen, aber auch Empörung auf und Niklas kommentierte wertfrei: „Ihr habt die Spielregeln verändert!“ Claudia meinte in der Auswertungsrunde: „Die Spielregeln gaben nicht vor, dass ich nicht klatschen durfte.“ Mir kam der Gedanke wie schnell sich Gesetzmäßigkeiten, Ordnungen und Überzeugungen in unseren Köpfen festsetzen, ohne dass die „Welt“ (in diesem Fall Niklas), sie vorgegeben hat. Und ich persönlich freue mich über Mitmenschen, die mir (so wie Claudia in diesem Spiel) eine Hinweis geben, der mir zeigt: „Hey, das geht auch anders, da ist noch viel mehr möglich …“ aus meiner Sicht auch eine wichtige Coach-Qualität. Zugegebenermaßen macht es mir seit früher Jugend Freude menschengemachte Ordnungen zu hinterfragen und eventuell zu einem positiven Wandel bei zu tragen. Und auch als Coach gebe ich gerne Impulse zu Systemveränderungen und Erweiterungen.

    Wieviel Sinn das Durchbrechen der angenommenen Spielregel machte, zeigte auch nochmal Niklas auf, denn als erfahrener Coach und Clown stoppte er diese Spielvariante nicht, sondern ließ sie als erweiterte Erfahrung für die Gruppe deutlich werden und wirken. Wir als Gruppe hatten unseren inneren Spielraum vergrößert.

    Es gab für mich ein weiteres „Denk-mal“ in diesem Spiel: In einer Sequenz in Dreier-Schritten: 1. Schnelles Bewegen aller durch den Raum, 2. klatschen, 3. Nicht-Tun von allen – mit vielen Wiederholungen – wurde mir mal wieder deutlich, wie wichtig der Wechsel von Aktion und Pause auch in der Beratungsarbeit ist. Das Nicht-Tun (nicht das Nichts-Tun) gibt sowohl mir als Coach, aber auch der/dem Coachee die Möglichkeit sich abzugrenzen und damit auf sich selbst zu besinnen. Als Grupppenteilnehmerin in diesem Spiel gab mir die Pause die Möglichkeit, mein unreflektiertes Schwarmtempo zu stoppen und meine eigene Interpretation von „schnellem Gehen“ umzusetzen. In meiner Coaching-Praxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass durch die Pausen zwischen den einzelnen Coaching-Einheiten innerhalb eines Prozesses sowohl für mich als Coach, als auch für die/den Coachee kreative Möglichkeiten entstehen, die sich oft als ungemein wertvoll erweisen und nachhaltig wirken. Also – ein „Hoch“ auf die Pausen, die Wartezeiten und das Innehalten (im Coaching, wie im Leben) in denen das Unbewusste die Chance hat seine Weisheit zu entfalten.

    Das Feedback-Spiel:

    Niklas gab vor, dass die Rückmeldungen an ihn, bezüglich des Workshops nur aus drei Worten bestehen sollten. Einige wenige Beispiele: „Impulse mit Tiefe“, „Spiel, Spaß, Spannung“, „Staunen, Lachen, Lösung“, „Hand, Herz, Verstand“, „Bewegung tut gut“…
    Das „Charmante“ an dieser Methode ist aus meiner Sicht, dass innerhalb kurzer Zeit eine Gruppe mit einer großen Teilnehmerzahl in verdichteter Form ihre Statements abgibt und es so bei den Zuhörenden durch diese kompakte Form zu hoher Konzentration und damit zu vielen Aha-Erlebnissen kommen kann.

    Alle Spiele die Niklas anbot hatten gemeinsame Komponenten: Oft (nicht nur) war nonverbale Kommunikation gefragt, fast immer war Improvisation angesagt, die Chance über sich selbst zu lachen und eine damit vorangehend neue Selbstkenntnis, war häufig gegeben. Und jedes Spiel erforderte eine Reihe von interessanten (manchmal sehr schnellen) Entscheidungen => für all diese grundsätzlichen Handlungsoptionen des Coachings ein prima Training.

    Ich (die Skeptikerin bezüglich des Workshop „Coaching mit Clown“ s.o.) habe Niklas als Workshopleiter sehr wertschätzend und zugewandt gegenüber den TeilnehmerInnen erlebt, gleichzeitig souverän und fachlich fundiert hinsichtlich seiner Spiel-Angebote und theoretischen Hintergründe. Er gab immer wieder Impulse für Analogien zwischen Coach und Clown, überließ aber schnell den TeilnehmerInnen das Spielfeld, wenn diese die Zusammenhänge weiter entwickelten. Auf selbstverständliche Art und Weise jonglierte er seine Angebote bezüglich Raum, Zeit, Wünsche der TeilnehmerInnen und inhaltlicher Zusammenhänge. Authentisch würdigte er die (wenigen) Widerstände, die im Gruppengeschehen entstanden und setzte sie ebenso wie Spielvarianten (die spontan auftauchten) in Erkenntnisse auf einer Metaebene um. Wie Niklas seine Rolle wahrnahm und so wie er seine inneren Haltungen ausdrückte, war sein Tun – aus meiner Sicht – nicht nur ein Erlebnisgewinn, sondern auch ein anschauliches Lehrstück für Prinzipien eines Coachs.

    Mein persönliches Resümee:

    Aus meinem anfänglichen Widerstand: „Clown und Coaching => iiih!“ wurde eine nachhaltige Horizonterweiterung. Durch das Überschreiten meiner Grenze: „In den Workshop gehe ich ganz bestimmt nicht!“ hat mein eigenes System eine Veränderung und reichen Zuwachs bekommen. Deshalb bedanke ich mich bei den Organisatoren dieser Fachtagung und damit auch dieses Workshops, bei Niklas König als Workshopleiter und bei den anderen teilnehmenden Clowns…äh…Coachs, die diesen Prozess in mir mit ermöglichten.

    Ach ja, – gelacht und gelächelt wurde viel in diesem Workshop und so bewahrheitete sich auch hier die Einschätzung von Christian Morgenstern: „Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hinein huschen kann.“

    Hier findet Sie die Website von Niklas König: www.coaching-clown.de

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